Atomunfall Lucens (1969)

Am 21. Januar 1969 kam es im Schweizer Versuchsatomkraftwerk bei Lucens im Kanton Waadt zu einem folgenschweren Zwischenfall. Wenige Stunden nachdem Techniker den Reaktor nach einer mehrmonatigen Revision wieder hochgefahren hatten, führten Probleme mit dem Kühlsystem zu einer Überhitzung der Brennelemente und zu einer partiellen Kernschmelze. Einer der Brennstäbe schmolz und explodierte. Die Reaktorkaverne wurde massiv verstrahlt. Durch undichte Stellen entwichen radioaktive Gase, so dass bei Messungen in den umliegenden Dörfern ein leichter Anstieg der Radioaktivität festgestellt wurde. Nur weil es sich um einen kleinen Reaktor handelte und dieser unterirdisch in einen Felsen gebaut war, konnte eine grössere Katastrophe vermieden werden. Die Dekontamination und langwierigen Aufräumarbeiten konnten erst im Mai 1973 abgeschlossen werden. Insgesamt fielen dabei 250 Fässer mit radioaktivem Abfall an, die seit 2003 im Zwischenlager in Würenlingen gelagert werden. Das Bundesamt für Gesundheit überwacht bis heute mit zweiwöchentlichen Proben des Sickerwassers der Anlage in Lucens die Radioaktivität. Nach der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse zählt die Kernschmelze in Lucens zu den schwersten Störfällen bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie. Dieser Unfall bedeutete das definitive Aus der Entwicklung einer eigenen Schweizer Atomreaktorlinie. Heute dienen die zugänglichen Teile der ehemaligen nuklearen Anlage als Depot für Kulturgüter. (axa)

  • Ansicht als Liste
  • Diashow
  • 24 Bilder
  • zurück
  • Seite
    von 2
  • weiter
© 2019 KEYSTONE  ImpressumKontakt | FAQ | AGB