«Willi Ruge - Der Mann hinter der Kamera»

02.03.2015

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Ja, ja, das ist die Stellung - Photo by Willi Ruge | IBA-Archiv | KEYSTONE

 

Der «Schwarze Montag» zeigt im März acht Bilder aus der Serie «Der Mann hinter der Kamera» von Willi Ruge.

 

Also gnädige Frau, denken Sie mal an etwas ganz Nettes.  – Ihr Köpfchen etwas nach rechts. – So, nun etwas höher. – Ja, schon ganz nett, gnädige Frau. – Bitte nicht nervös werden. – Aber warum wieder so ernst? – Nein, so geht das nicht. – Also fangen wir noch einmal an. – Lächeln, lächeln, lächeln, bitte. – Dürfte ich Sie etwas nach links bitten? – Sie haben doch einen entzückenden Mund. – Ganz vorzüglich. – Ja, ja, das ist die Stellung. – Aufnahme. – Verbindlichsten Dank, gnädige Frau.[1]  

 

Da gibt einer Anweisungen und man ist versucht, den Kopf etwas nach rechts zu rücken und ein Lächeln aufzusetzen. Willi Ruge ist der Mann hinter der Kamera und er ist gleichzeitig der Autor der Bilder. Auf jedem Bild ist er zusammen mit seiner Kamera sichtbar. Er gestikuliert, heftig und sanft, expressiv, wie die Stadt, die ihren Mörder sucht. Es sind Selbstporträts, nur verweisen sie nicht auf den Fotografierten selbst, sondern treten in einen lebhaften Dialog mit dem Betrachter und weisen ihn an, an etwas Nettes zu denken und nicht nervös zu werden.

Das Minenspiel von Willi Ruge (1892-1961) stammt aus den frühen 1930er Jahren. Ruge wollte Pilot werden, machte jedoch eine Lehre als Fotograf und wurde Fotojournalist. Seine Leidenschaft für die Fliegerei setzte der gelernte Fotograf in Bildserien um: «Ich fotografiere mich beim Absturz mit dem Fallschirm» titelt er eine seiner Bildserien und die Vorbereitungen dazu unter dem Titel «… und er entfaltet sich doch!» Obwohl ihn seine Freunde von diesem lebensgefährlichen Selbstversuch abbringen wollten, liess er sich von seinem Vorhaben, über Berlin mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug zu springen, nicht abbringen und publizierte nach geglücktem Sprung die Bilder in der Berliner Illustrierten Zeitung. 

Es ist wenig zu Willi Ruge publiziert worden. Wir möchten auf einen Beitrag von Ute Eskildsen hinweisen, der soeben im Buch «OBJECT: PHOTO. Modern Photographs: The Thomas Walther Collection 1909-1949» erschienen ist. Ute Eskildsen, die langjährige Leiterin der Fotografischen Sammlung am Museum Folkwang in Essen, ist Kuratorin namhafter Fotografie-Ausstellungen.



[1]  Instruktionen zu den einzelnen Bildern aus dem Minenspiel von Willi Ruge.

 

 

«Schwarzer Montag» im Westflügel, Viaduktstrasse 21, 8005 Zürich www.schwarzermontag.ch | schwarzermontag@keystone.ch

 

 

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